Hallo!
am letzten Wochenende hatten meine Eltern, Steffi und ich einen Trip nach New York geplant. Als Airliner habe ich uns natürlich günstige Standby Tickets gekauft. Der einzige Nachteil: man kommt halt nur mit, wenn noch Plätze in der Maschine frei sind. Angepeilt hatten wir Samstag früh gleich die erste Maschine um 6:20 Uhr, weil wir uns dort die besten Chancen ausrechneten. Die Maschinen vormittags waren nur um ein paar Plätze überbucht, sodass man als Standby Passagier meistens mit kommt, weil viele ja zum Flug nicht antreten (kurzfristig umgebucht und so). Naja, diese Rechnung ging dann irgendwie doch nicht so recht auf...wir haben uns gegen 4 Uhr Richtung Flughafen mit einer Limosine gemacht. Mein Dad wollte eigentlich ein Taxi bestellen, kam aber eine Limousine. Während der Fahrt machten wir uns schon ein bisschen Sorgen, wieviel denn das nun kosten würde. 60$, 100$ oder gar 300$? Wir hatten keine Ahnung, aber der Chaffeur trug sogar Anzug mit Krawatte. Zum bösen Erwachen kam es hier jedenfalls noch nicht. Das "Taxi" hat nur 85$ von Downtown Toronto bis zum Flughafen gekostet. Geht ja noch..wir waren halt darauf angewiesen, weil die erste U-Bahn erst morgens ab 6 Uhr fährt.

Vollkommen angemessen fuhren wir in einer Limousine zum Flughafen.
Am Flughafen angekommen checkten wir dann gleich ein. Das ging problemlos, der nette Herr von Air Canada rechnete uns 50:50 Chancen aus, um bei der 6:20 Uhr Maschine mitzukommen. Nach einem aufwendigen und vollkommen überzogenen "Einwanderungsprozess" beim Zoll, bei einer überaus unfreundlichen Amerikanerin, erreichten wir dennoch pünktlich 5:45 Uhr das Gate. Das Boarding begann und jeder der schonmal Standby geflogen ist, weiß, dass nun der Moment der Wahrheit kommen würde. Sitzplatz, ja, nein, vielleicht? Ich machs kurz: bei der Maschine war nichts zu holen. Es war lediglich Platz für 2 Standby Passagiere, die eine höhere Priorität als wir hatten. Ich vermute, dass waren 2 von Air Canada. Da haben wir als Lufthanseaten eher geringen Chancen bei einem Air Canada Flug. Das einzig gute an diesem Umstand war, dass wir nun 3 Stunden Zeit zum Fühstücken hatten. Der nächste Flug ging nämlich erst um 9:15 Uhr.

So sehen frustrierte Standby Flieger aus...
Bei diesem Flug rechnete ich uns eigentlich noch schlechtere Chancen aus, weil der noch mehr überbucht war und Tickets für diesen Flug über das Internet nicht mal mehr verkauft wurden. Das selbe Prozedere..Boarding begann und wir warteten. 5 Minuten vor Abflug ergatterten wir EINEN Sitzplatz. Da wir zu 4. waren, mussten wir uns also trennen. Wir entschieden uns, Steffi den Platz zu geben. Steffi, meine liebe Cousine, startete also 9:15 Uhr Richtung New York. Ein überaus netter Air Canada Mitarbeiter suchte uns noch alternative Flüge nach New York raus, die uns aber leider nicht viel nutzten, weil sowohl Westchester (HPN) als auch Newark (EWR) für uns gefühlt zu weit weg von Manhatten waren. Also stellten wir uns für den nächsten Flug um 11:15 Uhr an. Da führte ich beim Boarding ein nettes Gespräch mit einem anderen Standby Passagier. Dieser hatte 35 Jahre für Air Canada gearbeitet und war mittlerweile pensioniert. Er hatte also einen deutlich besseren Status als wir. Aber auch er kam nicht mit, weil auch diese Maschine voll war. Keine Chance...

Steffi war glücklich...
So, same procedure as every flight, gingen wir also zur nächsten Maschine um 12:15 Uhr. Auch hier sah es schlecht aus, aber die anderen beiden Standby Passagiere bekamen einen Sitzplatz. Mittlerweile waren wir schon 6h am Flughafen und waren immer noch in Toronto. Da kann man schon depressiv werden. Das Personal von Air Canada kannte uns schon. An jedem 2. Boarding war das selbe Personal. Die hatten schon richtig Mitleid mit uns...eine nette Dame gab uns dann aber schon Sitzplätze für die 14:15 Uhr Maschine, weil dort Plätze frei waren. Von 12 Uhr an wussten wir also, wir würden die nächste Maschine nach New York bekommen und genossen ein Sandwich zum Mittagessen. Schnell verging dann die Zeit und zack, wir saßen im Flugzeug. Leider stellte ich an diesem Samstag meinen absoluten negativ Rekord als Standby Passagier auf: 8h am Flughafen und erst die 5. Maschine bekommen. Tja, das war der Vorführeffekt. Kaum hat man Eltern oder Travelpartner dabei, gehts schief. Naja, schwamm drüber. Dafür waren wir dann in New York! Geflogen sind wir übrigens mit einer Embraer 175 mit Entertainment System auch in der Economy Class. Ich schaute dann "Sex and the City" (auf deutsch) um mich auf New York einzustimmen. So viel habe ich leider nicht geschafft, weil der Flug zu kurz war.

Unser Flugzeug..genug Beinfreiheit und Entertainmentsystem.

Welcome to New York!!
In New York angekommen setzten wir uns in die total überfüllte U-Bahn und fuhren über Manhatten nach Brooklyn. Sowohl in der U-Bahn als auch in Brooklyn sahen wir dann irgendwie nur noch schwarz. Wir waren irgendwie die einzigen weißen bzw. Europäer?! Naja, ein kleiner Kulturschock für uns, aber das hielt uns natürlich nicht ab zu unserem durchaus anständigen Hotel zu laufen. Besonders erwähnenswert war die mit Durchsprechanlage und Panzerglas gesicherte Rezeption, die unser etwas mulmiges Gefühl über unsere ersten Eindrücke durchaus bestätigte. Im Hotel haben wir dann auch Steffi getroffen.

Endlich angekommen..glücklich.

Unser Hotel, das Howard Johnson Hotel.

Unsere Hood...

Unser Hotel war in der Utica Ave 599.
Da wir durch die verpassten Flüge sehr viel Zeit verloren hatten, machten wir uns gleich wieder auf Richtung Manhatten (Zimmer bezogen, versucht die Dusche zu bedienen und los gings). Wir fuhren bis Manhatten und hielten an der ersten U-Bahn Stelle auf dem Broadway. Wir flanierten also in Manhatten am Samstagabend und ernährten uns von Fastfood. Spontan entschieden wir uns an diesem Abend noch zum Empire State Buildung zu laufen und hochzufahren, weil dort abends ab 21 Uhr einfach viel weniger los ist als am Tage. Es war die richtige Entscheidung, wir warteten eigentlich nirgendwo und hatten einen super Ausblick über New York. Wirklich fantastisch! Danach liefen wir noch zum Time Square und setzten uns dem Gedrängel, Gewühle und den Menschenmassen aus. Es ist wirklich ein Erlebnis. Danach liefen wir noch ein wenig rum und fuhren wir zum Hotel zurück. Ich glaube wir kamen gegen 1 Uhr und waren somit gute 22 Stunden auf den Beinen. Die Nachtruhe hatten wir uns also reglich verdient.

Nach kurzem Anstehen des Familienoberhauptes gabs die Tickets.

Belohnt wurden wir mit diesem Ausblick..das helle in der Mitte ist der Timesquare.

Beeindruckt..

Toll!!!

Am Timesquare..Steffi zeigt stolz auf ihren Arbeitgeber "Ernst & Young".
Der nächste Morgen begann mit dem schlechtesten Frühstück dass ich je in einem Hotel erlebt habe. Typisch amerikanisch gab es nur: Toast, Marmelade, Erdnussbutter und Schmelzkäse. Oh nein, ich habe die Cornflakes vergessen. Kaffee, Milch und heißes Wasser mit Teebeuteln sollten dann den Durst abdecken. Wer mehr wollte, konnte sich am Getränkeautomat daneben für ein paar Dollar eine Coke holen. Serviert wurde die reichhaltige Auswahl auf Papptellern, mit Plastebesteck und in Bechern. Es gab zwar auch eine dunkle Sklavin, die wir um ihr McDonalds Frühstück beneideten, die jedoch nicht zum Wohle der Frühstückgäste dort "arbeitete", sondern lediglich darauf achtete, dass wir den überaus knackigen goldgebrannten Toast ja nicht mit den Händen anfassen.
Es gab also gar keine Küche, Reste wurden alle vernichtet und die "Nahrung" war sowieso verpackt. Für 200$ pro Nacht pro Doppelzimmer kann man schon besser residieren, aber nicht in New York. Danach gings dann mit der U-Bahn wieder nach Manhatten. Erste Station war in South Manhatten die Fährstation zur Freiheitsstatue (Liberty Island). Ellisisland konnte man eine Bootsstation später auch besichtigen. Es war wirklich ein schöner Anblick bei bestem Wetter.

Zuvor liefen wir auf der Wallstreet.

Auf dem Boot...wirklich warm (HEISS) und sonnig.

Meine Eltern vor der Freiheitsstatue. Ich hätte nie gedacht, dass ich sie mal dorthin bewegen könnte.

Dad hats auch gefallen.

Ausblick auf Manhatten von der Fähre.
Von der südlichen Spitze Manhattens sind wir dann zum Ground Zero, ehemals World Trade Center, gelaufen. Es ist schon ein ziemlich großes klaffendes Loch inmitten der Hochhäuser. Spätestens die Gedenktafeln wecken dann die Erinnerungen vom 11. September. Danach sind wir ein paar Stationen mit der U-Bahn weiter Richtung Norden gefahren und sind auf der 5th Ave entlang gelaufen. Massen von Menschen, eine Hitze zwischen den Hochhäusern vernichtete die Lust aufs Shoppen. Vorbei am Rockefeller Center und diversen Museen waren wir dann an der grünen Lunge New Yorks am Centreal Park angekommen. Kurz pausiert ging es dann schon weiter zur "Gedenkstätte von John Lennon, der dort im Park kurz vor seinem Appartment erschossen wurde.

Gedenktafel mit den Namen der Verstorbenen..

Ein kleffendes Loch in Manhatten..die Arbeiten an den neuen Türmen sind aber schon voll im Gange.

Das Rockefeller Center.

Grüner Ausblick im Central Park.

Hier spielt man Baseball oder sonnt sich einfach nur.

Hier wurde John Lennon von einem geistesgestörten Fan 1980 niedergeschossen (Strawberry Fields).
Steffi wusste dass am Samstag ein Basketspiel in Madison Square Garden stattfinden würde. Nach kurzer Informationsbeschaffung hatten wir die Details: New York Liberty 16 Uhr gegen Detroit. Das wollten wir beide uns nicht nehmen lassen und machten uns auf den Weg. Steffi war besonders motiviert, weil sie doch selber Basketball in Berlin in einem Verein spielt. Gegen 15:30 Uhr stellten wir uns in der Ticketschlange an. Kurz bevor wir dranwaren und unsere 15$ Tickets kaufen wollten, sprach uns eine Frau von hinten an und fragte, ob wir noch Karten bräuchten. Höchstskeptisch fragte ich erstmal, wieviel sie denn dafür haben wollten würde. Sie meinte, "for free". Wir dachten, damit könne man ja nichts verkehrt machen. Erst danach merkten wir dass das 50$ Tickets waren und sie uns mal eben 100$ überlassen hat. COOL! Wir waren total happy und griffen noch gratis Liberty T-Shirts ab. Die Plätze waren 1a, auf Höhe der Mittellinie im unteren Bereich fieberten wir mit. Die Frau meinte, Zitat: "the tickets are actually not too bad". Not too bad? Die waren Spitze!! Danke!!
Letztendlich hat New York mit 59:61 ihr Heimspiel verloren, hatten in den letzten Minuten aber eine fulminante Aufholjagd gestartet, nachdem sie schon 10 Punkte zurücklagen. Geprägt war das Spiel natürlich auch hier mit Gewinnenspielen, Bühnenshows und Chearleading Einlagen. Danach kaufte ich mir noch ein lustiges Cap und Steffi ein Trikot im Souvenir Shop. Es waren wirklich tolle Stunden in der "
World's Most Famous Arena".

In Fan T-Shirts feuerten wir sie an!

Beste Aussicht von unseren Plätzen!!

Endstand..Liberty hat knapp verloren..

Steffis Trikot. Natürlich mit eigenem Namen.
Als wir draußen waren holten uns meine Eltern ab nachdem sie selber noch etwas Zeit im Centreal Park undam Guggenheim Museum verbrachten. Danach wollten wir eigentlich noch ein bisschen shoppen. Aber irgendwie waren wir alle etwas KO, um nicht zu sagen völlig am Ende ohne Flüssignahrung bei gefühlten 40°, und genervt von den Millionen Menschen, sodass wir im Endeffekt nichts kauften und auch gar keine Lust mehr hatten. Wir sind dann wieder den Broadway Richtung Süden am Union Square entlang gelaufen und irgendwann in eine U-Bahn gestiegen. Gegen 22 Uhr waren wir dann wieder im Hotel und nahmen eine Kleinigkeit in einem Restaurant gegenüber unseres Hotels zu uns. War eigentlich ganz nett dort. Am späten Abend fanden wir dann noch heraus wie die Dusche funktionierte. Das war wirklich nicht einfach, dass sogar meine 2 Eltern, studierte Diplom-Schiffsbauingineure, versagten. Nach kurzer Nachfrage bei der Rezeption wussten wir aber Bescheid. Ich fragte dann Steffi, was sie denn den ganzen Tag so wichtiges in ihrem Rucksack trug, wo es doch so heiß war und wir nichts gekauft hatten. Sie erwiderte völlig selbstverständlich: "Na meine Jacke, was sonst?!". Es waren am Tage ja auch nur 35° draußen und 50° in der U-Bahn. Danach hat sie abends ihr lange Jeans ausgewrungen. Ich hätte ihr vom Wetterbericht erzählen sollen. Aber gut dass sie ihre Jacke dabei hatte.
Am nächsten Morgen gabs dann wieder ein vorzügliches Frühstück bevor wir die Anreise zum Flughafen antraten. Hier wäre zu erwähnen, dass der Busfahrer sowas von unfreundlich und nicht in der Lage war, uns eine kurze Auskunft zu geben oder gar unser Busticket zu bestätigen. Er hat uns oder seine Glasscheibe immer nur dumm angeguckt und 2 Sätze wiederholt: "You have 4 transfer tickets". Ja, das wussten wir, aber nicht was wir mit dieser Information anfangen sollten?! Wir sind dann einfach rein, nachdem wir dann bestätigt wussten, dass wir einfach durchgehen können. Am Terminal fragte ich dann, bei welcher Haltestelle wir für einen Air Canada Flug raus müssten. Er sagte immer: "This is not Air Canada". Ich sagte: "ich weiß, aber an welcher haltestelle sind denn die Air Canada Gates?" Er wiederholte: "This is not Air Canada". TOLL, DANKE FÜR DIE INFO. Wir sind dann am Ende am richtigen Halt raus (Ausschlussverfahren). Im nachhinein klingt das noch ganz locker, wir waren aber echt richtig angepisst (entschuldigt den Ausdruck) vom unfreundlichsten Menschen mit dem ich je geredet habe.
Im Gegensatz zum Hinflug haben wir hier unseren angepeilten Rückflug bekommen und waren pünktlich gegen 13 Uhr in Toronto. Wir holten den Mietwagen für meine Eltern und testeten anschließend einen McDonalds auf der Dundas Street, obs denn so schmeckt wie in Deutschland (Ergebnis: Ja, wir wollten ja eigentlich auch nur eine Kleinigkeit schnell essen). Danach luden uns meine Eltern bei mir ab. Sie fuhren zu ihrem Hotel und wir trafen uns abends um 18 Uhr zum Abendessen in 360 m Höhe im CN Tower. Ein Bericht hierüber folgt in einem extra Post.

Wir reihten uns als Flugzeug Nummer 17 auf der Startbahn ein..

Bescheiden wie unsere Flughafenlimousine fiel der Leihwagen meiner Eltern aus - ausnahmsweise mal ohne Chauffeur.
Resume über New York: Es ist schon eine beeindruckende Stadt. Halli-Galli, nirgendwo Ruhe. Überfüllte U-Bahnen, Menschenmassen quetschen sich durch Straßen und Einrichtungen. Ich glaube in einem Penthouseappartment kann man dort gut leben. New York bekommt aber meine absolute Empfehlung und ist ein echtes Erlebnis! Man kann dort sicher sehr gut Zeit verbringen, die wir aber leider nicht hatten und alles im Schnellflug abgrasen mussten. Dennoch war es ein sehr schönes Wochenende.